Anthroposophie 2016-10-24T22:17:15+00:00

Anthroposophie

Das Menschenbild von Rudolf Steiner

Rudolf Steiner (1861-1925)

Rudolf Steiner (1861-1925)

Oft wird gesagt, die Waldorfschule orientiere sich am „Menschenbild der Anthroposophie“. Diese Ausdrucksweise ist missverständlich. Denn das Wort „Menschenbild“ erweckt die Assoziation eines festen, statischen Bildes. Dagegen formulierte Rudolf Steiner die Aufgabe einer Anthroposophischen Pädagogik in folgender Weise: „Sie will aus derjenigen Menschenerkenntnis heraus wirken, die nur auf dem Boden geisteswissenschaftlicher Anthroposophie zu erringen ist, sie will aus einer Menschenerkenntnis wirken, die den ganzen Menschen umfasst nach Leib, Seele und Geist.“
Steiner spricht also nicht von einer vorhandenen, sondern von einer zu erringenden Menschenerkenntnis, die das Kind und den jungen Menschen so ganzheitlich wie möglich auffasst und fördert. So tritt Anthroposophie in der Pädagogik vor allem als Beobachtungshinweis für den Lehrer auf: Beobachte, was geschieht, wenn nur das Gedächtnis des Kindes beansprucht wird, beachte den Zusammenhang von Körperbau, Leibesentwicklung und seelischer Disposition. Diese und andere Hinweise möchten der Aufmerksamkeit und Schulung des Lehrers eine entsprechende Richtung und Profession geben, nicht aber soll Anthroposophie feste Regeln und ewige Wahrheiten vermitteln. Sie ist zu keiner Zeit inhaltlicher Gegenstand des Unterrichts.

Die Waldorfschulen

Erste Waldorfschule 1913

Erste Waldorfschule 1913

Die Gründung der Waldorfschule erfolgte 1919 als Arbeiterschule und wurde wenig später zur ersten Gesamtschule in Deutschland erweitert.
Die entscheidende pädagogische Basis hat die Waldorfschule in ihrer Orientierung an der Entwicklung des Kindes und des jungen Menschen im Sinne einer anthropologischen Entwicklungspsychologie (Menschenkunde), welche in einer ganzheitlichen Auffassung vom Menschen nach Leib, Seele und Geist gründet.
Aus dieser Grundlage leiten sich die Merkmale dieser Pädagogik ab: Eine zwölfjährige Bildung für alle Schülerinnen in stabilen Jahrgangsklassen (mit Weiterführung zum Abitur) ohne Sitzenbleiben und Zensuren, Mädchen und Jungen werden zusammen unterrichtet, und kognitive, emotionale und handlungsorientierte Kompetenzen gleich gefördert – die Ausbildung von „Kopf, Herz und Hand“.

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