Bildende Kunst 2016-10-24T22:17:16+00:00

Bildende Kunst

Das Fach Bildende Kunst an der Freien Waldorfschule Havelhöhe – Eugen Kolisko durchläuft in den einzelnen Klassenstufen folgende Themen:

Perspektive, Körperhaft-räumliches Zeichnen, Farbiges Naturstudium (Klasse 8/9)
Plastizieren, Steinhauen (Klasse 10/11)
Farbiges Gestalten / Malerei (Klasse 11)
Graphisches Gestalten / Druckgrafik
Gemäldekunde (Klasse 12)

Perspektive, Körperhaft-räumliches Zeichnen, Farbiges Naturstudium

Im Mittelpunkt steht die Aneignung zeichnerischer und malerischer Grundlagen
Mit Hilfe verschiedener Techniken. Mit Zeichenkohle und Graphit werden körperhafte Darstellung, Hell- Dunkel, Linearperspektive und das Erfassen kompositorischer Gesamtwirkung im Naturstudium anhand von Stillleben und Landschaftsmotiven erprobt. Darauf aufbauend lernen die Schüler, farbige Zusammenhänge aus der Naturbeobachtung zu entwickeln. Sie üben das Gestalten von Übergängen mit Pastellkreiden, zum Hell- Dunkel kommt auf einer neuen Ebene der Wirklichkeitsaneignung die Farbe hinzu. Im Aquarellmalen wird das Schichten von Lasuren zum ersten Mal erarbeitet.

Die ästhetische Auseinandersetzung gerade im Zusammenhang mit künstlerisch-praktischer Arbeit macht künstlerische Schaffensprozesse nachvollziehbar, ermutigt zur eigenen kreativen Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit und fördert die Sensibilität für die gestalterische Anwendung und schöpferische Verwandlung verschiedenster Materialien. Im Rahmen eines Portfolios als Kompetenznachweis für den künstlerisch-praktischen Unterricht entwerfen die SchülerInnen eigene Zimmer und Gebäude, in denen sich ihre Wirklichkeitssicht, Phantasie und Daseinserwartungen widerspiegeln.

Steinhauen, Plastizieren, Gemäldekunde

Als Künstler im Lehrberuf ist es unbedingt erforderlich, sich seiner kunst/-handwerklichen oder akademischen Fähigkeiten zu besinnen und dort einen geordneten und diszipliniert – pädagogischen Ansatz der Vermittlung zu gründen, so z.B. den Erwerb anatomischer Gesetzmäßigkeiten, ein perspektivisches Verständnis oder das grundlegende Naturstudium.
Sinnesübungen stehen für die Schüler an erster Stelle. Das Auge muss geschult und das Gemüt beherrscht werden! Folgend sollte der Schüler fragend durch die Welt gehen können: Durch was offenbaren sich jene differenzierte Formen und ganz bestimmte Farberscheinungen? Die Entdeckungen halten wir dann lebendig und entbinden den Jugendlichen davon, „Kunst machen zu müssen“. Der wirklich künstlerische Prozess offenbart immer die Persönlichkeit und es obliegt dem Schüler selbst, wann und wie er sich damit offenkundig zeigt. Unsere (Kunstlehrer) Aufgabe besteht „lediglich“ darin, den Schüler an seinen ureigenen künstlerischen „Generalkanon“ zu erinnern, wenn die „Formen der Beliebigkeit“ wieder einmal eigene Wege gehen wollen. Es verlangt von uns Geduld und Hingabe gegenüber dem Schaffenden, ein klares und ehrliches Bekenntnis zur Schöpfung und die Zuversicht an des Schülers Werk.

Klasse 10, Steinhauen: „Stetes Klopfen höhlt den Stein“

  • Umsetzung einer einfachen Form, Schwerpunkt: Prozessbildung, handwerkliche Befähigung

Klasse 11, Plastizieren: „Alles bleibt im Fluss“

  • Grundlagen der plastischen Formsprache
  • Tierkunde, das Wesen des Tieres in seiner physischen Gestalt
  • Menschenkunde, Porträt und Leiblichkeit, Gebärdensprache
  • eigene plastische Arbeit: Ideenfindung – Umsetzung – Evaluation

Klasse 12, Gemäldekunde: „Ich sehe was, was du nicht siehst“

  • Aufbau einer klassischen Bildgestalt nach eigener Idee (künstlerische Abschlussarbeit)
  • die Kunstepochen und deren Bedeutung für die Moderne

Farbiges Gestalten / Malerei

Aufgabenstellung (zur Nachahmung empfohlen):

„Erarbeiten Sie eine Farbfläche unter folgenden Bedingungen:

  1. Das Format wird vollflächig ergriffen.
  2. Integrieren Sie keine festen Formen, geometrischen Figuren, vermeiden Sie trennende Konturen oder feste Begrenzungen, projizieren Sie keine vorgestellten Bilder.
  3. Bevorzugen Sie Ihre gewünschte Farbe und stellen Sie deren Komplementäre gegenüber.
  4. Jede Farbe befindet sich überall (im Format), in unterschiedlichen
    Quantitäten.“

Material: Öl-Wachsfarben auf Karton

Diese recht strengen Vorgaben lassen scheinbar nicht viele Möglichkeiten für künstlerische Freiheit zu. Vielmehr zwingen sie den Schaffenden zu einer Besinnung über das (noch) Mögliche, ausgeschlossen die offensichtlichen Erfahrungen aus der bisherigen sinnlichen Wahrnehmung und bildhaften Erinnerung. Mut ist gefragt! Ungezwungen zu beginnen, sich vertrauensvoll auf „das wird schon werden …“ zu stützen, ist eine Erfahrung und ein Geschenk, sich das prozesshafte Arbeiten zu erschließen. Der Begriff „sinnlos“ klärt sich mit wachsendem Eifer zur Hingabe (an den Prozess), als eine Reductio ad absurdum. Denn in der abschließenden Bildbetrachtung ergibt sich für die Schüler eine zweifelsfreie Ausrichtung des Formates (Hoch- oder Querformat). Die Bildgestalt wird anerkannt und zum „So
ist es am schönsten …“ erklärt!
Inwieweit das ästhetische Empfinden in seiner Bedeutsamkeit für das künstlerische Handeln und Lernen allgemein ein Wirkungsfeld gefunden hat, müssen weitere Aufgaben im Kunstunterricht verdeutlichen.

Graphisches Gestalten / Druckgrafik

Aufbauend auf den zeichnerischen Erfahrungen der Klasse 8/9 wird über die Begegnung mit Persönlichkeiten der Kunstgeschichte und deren graphischem Werk der bewusste Einsatz graphischer Mittel zur Gestaltung eines eigenen Bildmotivs geschult. Vergleiche verschiedener Drucktechniken fördern das Verständnis der Dialektik von Technik, Form und Ausdruck.
Der eigene Entwurf wird dann in Form einer Druckgrafik, beispielsweise als Radierung umgesetzt. Schüler erleben die prozessuale Verwandlung von eigenen Motivwelten durch Ideenskizzen, Entwurfsarbeit und die spezifische Formsprache der gewählten druckgrafischen Technik. Sie begreifen die Vielschichtigkeit ästhetischer Wirklichkeitsaneignung im eigenen Tun und können so differenziertere künstlerische Werturteile entwickeln.
In der thematisch komplexen Aufgabenstellung „Milieu im Gestern und Heute- Begegnung mit Heinrich Zille“ sensibilisieren die Schüler in der Auseinandersetzung mit dem Berliner Großstadtzeichner ihren Blick auf das eigene Lebensumfeld. In einer klassischen Radierung nähern sie sich dem künstlerischen Prozess dieser auch im sozialen Engagement in ihrer Zeit herausragenden Persönlichkeit. Die Resultate eines so vielschichtigen Gestaltungswegs werden zu Beginn des folgenden Schuljahres im Oberstufencafé ausgestellt. Ebenso sind sie Bestandteil des als Kompetenznachweis für den künstlerisch- praktischen Unterricht entwickelten Schülerportfolios.

Gemäldekunde

Text folgt …

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