DAS KIND IM 1. SCHULJAHR
Das Kind, das in die Schule kommt, ist dabei, seine Zähne zu wechseln. Damit erreicht es eine erste große Etappe seiner Entwicklung. Hat es bisher seine ganze Kraft für seine körperliche Entwicklung eingesetzt, so verwendet es jetzt eben diese Kraft für die Denk- und Phantasietätigkeit.
LEHRPLANINHALTE DES HAUPTUNTERRICHTS
Unterricht des Klassenlehrers
ERZÄHLSTOFF
Märchen Nahrung für die Seele
Mit einer drastischen Anschaulichkeit, die es in keiner anderen Art von Dichtung gibt, enthüllt das Märchen, wie die handelnden Figuren im tiefsten Innern eigentlich sind. Den Kindern wird Menschenerkenntnis geboten, wie sie in keiner anderen Form zugänglich zu machen ist. Sie kann helfen, das Gefühl für Recht und Unrecht auszubilden. In der täglichen Nacherzählung schulen die Kinder ihr Gedächtnis und ihr sprachliches Ausdrucksvermögen.
DEUTSCH
„Ein Kraftvoller König Kommt zu dem Kampf, wo die Klingen Klirren und Krachen…“
Die Kinder rezitieren es kräftig im Chor und stampfen zu den Anfangslauten. Die Kinder haben eine Geschichte gehört und lernen nun eine Strophe über den starken, guten König. Das Wichtigste dabei ist, anschließend den König mit Buntstiften zu malen, mit der Krone auf dem erhobenen Haupt und dem vorgestreckten Schwert in der Hand. Am nächsten Tag wird er in der Zeichnung magerer, schließlich bleibt nur ein K von ihm übrig und vielleicht die Erinnnerung an die Geschichte seiner Entstehung.
Das Schreiben kommt also vor dem Lesen. Im Laufe der ersten Klasse werden alle Buchstaben eingeführt, man liest nur Selbstgeschriebenes. Erst während des zweiten Schuljahres wird das Lesen zielbewusster geübt, tritt sparsam auch das Lesebuch neben das, was die Kinder selbst geschrieben haben.
SACHUNTERRICHT UND HEIMATKUNDE
In den ersten Schuljahren leben gesunde Kinder noch stark in der Welt der „vermenschlichten Phantasiebilder“. Es gehört zu den Gewohnheiten der Kinder, sich für das Leben und Treiben ihrer Umgebung zu interessieren. Der Lehrer unterstützt, begleitet und weckt dieses Interesse der Kinder, indem er ihnen Geschichten erzählt: Acker und Wald, Wasser und Ufer, Haus und Garten, Blume und Kraut, Vogel und Fisch unterhalten sich miteinander. In der ersten Klasse gibt es noch keine eigentlichen Sachkundeepochen.
RECHNEN
Eins ist die größte Zahl. Das Ganze gibt sich hin, damit die Teile entstehen. Beim Üben im Rechnen gehen wir immer wieder auf das gleiche Prinzip zurück: das Verteilen, das Verschenken aus einer Einheit heraus.
Wenn du vom Karl zwei und vom Oskar drei und von der Katja zwei Bonbons kriegst, wie viele hast du dann? Man kommt beim Kopfrechnen wohl selbst leichter auf solche Beispiele als auf die umgekehrten: wenn du an Karl zwei, an Oskar drei usw. ... gibst, wie viele hast du dann verschenkt?
Das Einmaleins aus der Bewegung heraus. Der beste Weg, das Kind in die Welt der Zahlen einzuführen, geht über Bewegung und Rhythmus, die im Zählen und in den Zahlenreihen ja gegeben sind.
Eins zwei drei
Vier fünf sechs
Sieben acht neun
Zehn elf zwölf ...
Die ganze Klasse folgt dem Lehrer. Zwei unbetonte Schritte und dann ein kräftiges Stampfen, in die Hände klatschen dazu. Mehr und mehr wird das Tun ins Denken hinaufgehoben. Im ersten Schuljahr erobern wir uns den Zahlenraum bis Hundert. Die vier Grundrechenarten werden immer nebeneinander gepflegt. Beim Rechnen gehen wir schneller vor als im Schreib- und Leseunterricht.
FORMENZEICHNEN
Schon zu Beginn der ersten Klasse beginnt man mit elementaren Formenzeichnungen. Rudolf Steiner
empfiehlt, die Kinder mit Geometrie zu beschäftigen, lange bevor sie mit Zirkel und Lineal zeichnen können. Er rät sogar, den Anfang in der allerersten Schulstunde zu machen: mit der Geraden und der Krummen. Der Lehrer spricht mit den Kindern von ihren Händen und wie der Mensch mit seinen Händen arbeiten kann. Dann ruft er sie alle an die Tafel, einen nach dem andern, und lässt sie einen geraden Kreidestrich machen. Danach dürfen sie alle einen Halbkreis oder Bogen machen. Der Lehrer hat es ihnen vorgezeichnet, sie machen es nach. Von ihrer Art zu gehen, zu schauen, zu schauen, zu zeichnen, kann er viel über sie erfahren.
Die Schüler haben so ihre allererste Schularbeit ausgeführt: eine geometrische Urform.
Aber die Geometrie braucht nicht bei den Händen stehen zu bleiben. Sie kann bis in die Füße hinabgehen. Die Kinder gehen auf den Schulhof hinaus, um Kreise und Spiralen zu laufen und dann ins Klassenzimmer zurückzukehren und die gleichen Formen in ihre Arbeitshefte zu zeichnen.
MALEN
Für einen Siebenjährigen ist es ein großes Erlebnis, auf Anregung des Lehrers beispielsweise einen gelben Fleck innerhalb eines blauen Feldes zu malen, und darauf einen blauen Fleck innerhalb eines gelben Feldes. Wenn die Malereien trocken sind, werden sie aufgehängt und andächtig angeschaut. Allmählich kommen die Kinder darauf, dass es Farben gibt, die sich vordrängen: Gelb und Rot in allen Nuancen und einige, die zurückweichen: Blau, Violett usw. Grün ist mehr neutral. Allmählich wird jede Farbe für die Kinder zu einer Art Persönlichkeit, ein Wesen mit ganz bestimmten Gesten und Eigenschaften.
„Sie können mit den Kindern in der Sprache der Farben reden. Denken Sie nur, wie inspirierend es ist, wenn Sie die Kinder verstehen lassen:
Da ist dieses kokette Lila und in seinem Nacken sitzt ein freches Rötchen. Das Ganze steht auf einem demütigen Blau… Es wirkt bildend auf die kindliche Seele…
(Rudolf Steiner in einer Lehrerkonferenz)
LEHRPLANINHALTE DES FACHUNTERRICHTS
Unterricht der Fachlehrer
ENGLISCH/RUSSISCH Open them and close them
And lift them in the air.
Open them and close them
And put them on your hair.
Open them and close them
And give a little clap.
Open them and close them
And put them on your lap.
“Lernen durch Nachahmung”, ”Vom Tun zum Begreifen“, “Das Wort an die Dinge knüpfen”,
sind die Stichworte für das Fremdsprachen Lernen in den ersten Schuljahren. Welche der lebenden Fremdsprachen die Schulanfänger lernen, war Rudolf Steiner nicht so wichtig, entscheidend aber, „dass überhaupt andere Sprachen getrieben werden“ (R. Steiner). Ein ihnen unbekanntes Lied oder Gedicht können sie unmittelbar, ohne zeitliche Verzögerung, mitsprechen oder mitsingen.
MUSIK
Lieder innerhalb der Quinte werden gesungen. Alle Kinder erhalten Flötenunterricht. Einfache Gehörbildung wird getrieben, spielerisch wird das Gefühl für Rhythmus und Melodie entwickelt.
Weitere Fächer sind Spielturnen, Eurythmie, Handarbeit und Religion (die Beschreibungen finden Sie auf den Fluren)
© Eugen Kolisko Schule
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