DAS KIND IM 2. SCHULJAHR

Mit sieben, acht Jahren lernen die Kinder vieles noch am besten durch Nachahmung. Immer wieder wollen sie sich aber nun beweisen, ob sie das gemeinsam Gelernte alleine können. Was in der ersten Klasse angelegt wurde, wird nun erweitert, vertieft und in selbstständiges Können überführt. Schönheit in der Form der Buchstaben, in der Gestaltung der Seite, im Klang der Sprache oder auch in der Klarheit beim Rechnen freut die Kinder und spornt sie an zu lernen.


LEHRPLANINHALTE DES HAUPTUNTERRICHTS
Unterricht des Klassenlehrers

ERZÄHLSTOFF

Tierfabeln und Legenden zeigen zwei Seiten des Menschen. Die Fabel charakterisiert menschliche Einseitigkeiten auf humorvolle Weise. Legenden zeigen den nach Vollkommenheit strebenden Menschen. Fabeln und Legenden ergänzen einander. Blaise Pascals drückt das so aus:

"Es ist gefährlich, die Menschen erkennen zu lassen, in welch hohem Gerade sie den Tieren gleichen, wenn man nicht gleichzeitig ihnen ihre eigene Größe zeigt. Es ist ebenso gefährlich, sie allzu sehr ihre Größe erkennen zu lassen und nicht zugleich auch ihre Erniedrigung."

DEUTSCH

Die Kinder sollen erleben, wie lebendige, gesprochene Sprache in Schrift gebannt und daraus auch wieder herausgelöst werden kann. So wird zunächst nur gut Bekanntes geschrieben und gelesen, bevor das Lesen auch als Quelle von Neuem erlebt wird. Die kleinen Buchstaben und gegen Ende der zweiten Klasse eventuell auch schon die Schreibschrift werden gelernt und mit dickem Buntstift geschrieben. Schreiben die Kinder eigene Texte, so schreiben sie zunächst rein nach dem Gehör, ohne durch Rechtschreibregeln gehemmt zu werden. An Sprüchen wird eine immer klarere Artikulation geübt. Silben und Sprachrhythmen sollen immer exakter wahrgenommen und z.B. geklatscht werden, bevor sie zur Erarbeitung erster Rechtschreibregeln notwendig sind. Daneben wird mit Gedichten und kleinen Theaterspielen an einem lebendigen Ausdruck der Sprache gearbeitet.

Da oben der Himmel mit seinem Licht.
Da unten die Erde mit ihrem Gewicht.
Da vorne der Weg, den ich wandern will.
Da hinten die Sterne, die leuchten still.
Da rechts lebt die Kraft, die Hoffnung, der Mut.
Da links lebt der Frieden, der macht alles gut.
In mitten von Allem, tief innerlich,
in mitten von Allem da lebe ich.

FORMENZEICHNEN

Wenn sich gegen das achte Lebensjahr hin die Vorstellungskräfte des Kindes zu entfalten beginnen, werden Symmetrie- bzw. Spiegelungsübungen (rechts/links, oben/unten) mit den Kindern gemacht. Der Lehrer gestaltet die halbe Form, die Ergänzung muss von den Kindern gefunden werden. Oder runde Formen werden ins eckige abgewandelt, eckige ins runde. Dabei wird die innere Anschauung so gepflegt, dass sich das Denken daran entwickelt und schult.


Plastizieren

Beim Plastizieren erleben die Kinder Qualitäten der plastischen Form. Wie anders fühlt sich eine Einbuchtung oder eine Ausbuchtung an? Wie lassen sich Übergänge gestalten? Beim Plastizieren sind beide Hände, Handinnenflächen und Finger stets formend und wahrnehmend tätig. Dadurch beleben und sensibilisieren sich die Hände; das Formgefühl und das Augenmaß werden nochmals anders als beim Formenzeichnen geübt. Es erfordert ausdauerndes, tatkräftiges und gleichzeitig behutsames Gestalten, damit eine Form gelingt. Ohne Zuhilfenahme einer Unterlage wird zunächst immer eine Kugel, die Urform alles Lebendigen geformt. Aus dieser entstehen nach und nach neue Formen, an denen die Kinder die konvexen und konkaven Formelemente von Grund auf erleben können.

RECHNEN

Beim Rechnen bewegen wir uns in einem inneren Raum, dem Zahlenraum. So werden die Einmaleins-Reihen aus der äußeren Bewegung heraus gelernt, durch Gehen und Stampfen z.B. die 3er-Reihe:

"eins zwei drei
vier fünf sechs
sieben acht neun
zehn elf zwölf ...“

Jede Grundrechenart beschreibt eine qualitativ andere Handlung, bzw. Bewegungsrichtung oder -art. Rechenaufgaben werden zunächst aus Rechengeschichten und aus dem Handeln mit Material herausgelöst. Dann wird das eigentliche Rechnen und die Orientierung im Zahlenraum bis 100 mit reinen Aufgaben geübt. Hier muss innerlich vollzogen werden, was zunächst als äußere Handlung und Bewegung erlebt wurde.


MALEN

Mit Wachs- oder Buntstiften malen die Kinder zu Themen des Epochenunterrichts, zu Geschichten oder Erlebnissen frei oder auch angeleitet. Hier steht das gegenständliche Malen im Vordergrund. Beim Malen mit Wasserfarben kommt es dagegen auf das Schaffen und Erleben von Farbklängen an. Wie entsteht braun? Welches Blau kann ein saftiges Grün entstehen lassen, welches ein weiches Violett? Wie wirken grün und
orange zusammen und wie anders grün und rot?
LEHRPLANINHALTE DES FACHUNTERRICHTS
Unterricht der Fachlehrer

MUSIK

Wie in der ersten Klasse sollen vor allem frei schwebende Melodien im pentatonisch offenen Raum durch häufiges Singen erlernt werden. Bewußtsein für die Tonhöhen entsteht durch das Auf und Ab der Hand, entsprechend der Melodie. Als anfängliche Begleitung können Triangel, Zimbeln, kleine Trommeln oder anderes hinzukommen und rhythmisch immer exakter eingesetzt werden. Was in der ersten Klasse an Fertigkeiten im Blockflötenspiel angelegt wurde, wird nun vertieft. Die Kinder spielen weiterhin nur nach Gehör.


ENGLISCH/RUSSISCH

Weitere Fächer sind Spielturnen, Eurythmie, Handarbeit und Religion (die Beschreibungen finden Sie in den Fluren)


© Eugen Kolisko Schule

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