DAS KIND IM 6. SCHULJAHR

Gegen das 12. Lebensjahr beginnt ein Entwicklungsprozess, der sich bis zum 14. Lebensjahr hin erstreckt - die Vorpubertät und die Pubertät. Indem sich die Gefühls- und Willenskräfte verstärken und sich daneben der physische Reifungsprozess einstellt, wird der heranwachsende Mensch von den wirkenden Kräften stark dominiert. Dem Schüler erwachsen neue Seelenkräfte, mit denen er sich die Welt zu erschließen sucht. Gleichzeitig beginnen die intellektuellen Kräfte das Kind zu befähigen die Welt gedanklich zu erfassen, es entsteht eine Sehnsucht nach Kausalität, die als ordnende Kraft klärend wirken kann.


LEHRPLANINHALTE DES HAUPTUNTERRICHTS
Unterricht des Klassenlehrers

Auf dem Gebiet der leblosen Natur, z.B. der Physik versucht man, alle Vorgänge an das Leben, an die Erfahrung der Schüler anzuschließen; so bleibt alles konkret anschaulich. In der Welt des Menschen aber, z.B. in der Geschichte oder Erdkunde, müssen alle Schilderungen - auch die kausalen Bezüge - von Fantsie erfüllt und durchdrungen sein. Denn es tritt bei dem Kinde dasjenige hervor, „was an seelischen Fähigkeiten darauf angewiesen ist, von innerer seelischer Liebe durchströmt zu werden, das heißt also dasjenige, was sich als Fantasiekraft zum Ausdruck bringt.“ (R. Steiner).


GESCHICHTE

Der Stoff der 6. Klasse umfasst eine ganze Kulturepoche, also ca. 2100 Jahre: vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis zum 15.Jahrhundert n. Chr. Daher müssen wir uns auf eine exemplarische Auswahl beschränken.

Die führenden geschichtlichen Persönlichkeiten treten nun als Glieder der Gruppe, als Exponenten sozialer Verbände auf. Damit hängt zusammen, dass nun sehr oft eine Dualität auftritt: zwei Personen, zwei Gruppen, zwei Lebenshaltungen stehen einander gegenüber und zwischen diesen Gruppen spielt die Geschichte:

Im Anfang der römischen Geschichte: Romulus und Remus
In der Zeit der Ständekämpfe: Patrizier und Plebejer
Beim Kampf um die Weltherrschaft: Rom und Karthago
Im Mittelalter: Araber und Franken,
Kaiser und Papst,
Mönche und Ritter.


GEOGRAPHIE

Mit der Betrachtung des Räumlichen verhilft ein anschaulicher Geographieunterricht den Kindern zu einer gewissen Festigung in sich. Gleichzeitig wirkt er auf die moralische Bildung, weckt soziale Empfindungen, indem das Bewusstsein darauf gelenkt wird, dass wir den Raum mit anderen Menschen teilen. Damit das Kind ein Bild der ganzen Erde bekommt, schauen wir die Erdteile mit ihren Hauptgebirgszügen und die Weltmeere an, besprechen die verschiedenen Klimazonen, die Meeresströmungen und die Gezeiten. Auch versuchen wir, die Zusammenhänge der Weltwirtschaft zu beleuchten.


MINERALOGIE

Bei der Betrachtung der Welt des Mineralischen ist es für Lernende und Unterrichtende wohltuend und richtig, vom Unfassenden auszugehen und nach und nach zum Einzelnen zu kommen. Der Weg geht also von der Geographie zu den Gebirgsformen, dann zum Fels, zum Stein bis hin zum Mineral.


GEOMETRIE

Was die Schüler bis dahin im Formenzeichnen kennengelernt haben, wird nun genau konstruiert. Es wird nicht mehr aus der Bewegung des Körpers herausgearbeitet, sondern vorsichtig und exakt mit Zirkel, Lineal und Bleistift. Die Formen entstehen aus einem streng gedanklich geführten Konstruktionsweg. Die Ästhetik ergibt sich nicht aus der Dynamik, sondern aus der Ordnung, Sauberkeit und Präzision. Das Grunderlebnis liegt in der exakten Konstruierbarkeit der geometrischen Formen, die wiederum auf deren mathematischer Gesetzmäßigkeit beruht.


MALEN

In der 6. Klasse wird, statt zu malen, eine Zeitlang mit Kohle gezeichnet und im „Hell - Dunkel“ dem Phänomen und den Gesetzen von Licht und Schatten übend nachgegangen. Im Physikunterricht tritt zum ersten mal Optik auf, und das verändert und intensiviert das Sehen der Schüler. Was draußen als Licht und Finsternis wahrgenommen wird, entspricht den beginnenden Seelenerlebnissen. Nach einer gewissen Zeit kann jetzt ganz neu an das farbige Gestalten herangegangen werden. Man beginnt mit der Maltechnik des Schichtens.


LEHRPLANINHALTE DES FACHUNTERRICHTS
Unterricht der Fachlehrer

RUSSISCH/ENGLISCH

Auch in der Mittelstufe dominiert die gesprochene Sprache, doch jetzt mit dem Ziel, die bis dahin unbewusst wahrgenommenen Gesetzmäßigkeiten, bewusst zu machen. Die praktische Anwendung der Sprache wird erübt, um Alltagssituationen zu bewältigen, wie sie sich auf einer Reise im Restaurant, beim Einkaufen ergeben. Die schon behandelten Gebiete der Wortformenlehre werden befestigt und erweitert. Mit dem Lesen und Schreiben der Fremdsprachen und mit einer Art von Übersetzen, das sinngemäß aber nicht wortwörtlich ist, wird begonnen. Man beginnt in Absprache mit dem Klassenlehrer mit der Grammatik.

MUSIK

Im Unterricht sollte beim gemeinsamen Musizieren eine erste Begegnung mit einem musikdramatischen Werk stattfinden. Hierbei können das chorische, mehrstimmige Singen wie auch die Bewegung nach Musik geübt werden. Das Seelenerlebnis von Dur und anfänglich auch von Moll wird mit dem musikalischen Tun verbunden. Benutzte man in den ersten Schuljahren die Musik, um das Kind hören und singen zu lehren, so arbeitet man nun darauf hin, dass das Kind sich den künstlerischen Anforderungen anpassen lerne.


© Eugen Kolisko Schule

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