TIERHALTUNG

Unsere Tierhaltung ist auf Elterninitiative, eng angebunden an Kindergarten und Hort entstanden. Sie ist in der Satzung des Vereins Pädagogik Havelhöhe verankert und ein wichtiger Bestandteil unseres pädagogischen Gesamtkonzeptes.

Zu unseren Tieren zählen derzeit 2 Esel, 3 Schafe, einige Kaninchen und zwei Bienenvölker. Sie werden von zwei der Tierhaltung kundigen Pflegern versorgt. Neben den Kindern erfreuen sich auch die Patienten und Mitarbeiter des Krankenhauses unserer Tiere, wenn die Tierkarawane über das Gelände zieht oder sie Flächen des Krankenhauses abweiden. Auch viele Spaziergänger besuchen unsere Tiere und verweilen bei ihnen.

Tiere fordern und fördern ein großes soziales Engagement und die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten durch ihr Recht auf eine artgerechte Unterbringung, Haltung und Pflege. Das erfordert eine bewusste konzeptionelle Planung und führt dazu, dass sich die Menschen wenn, dann mit allen Konsequenzen für eine Tierhaltung entscheiden. Und das lohnt sich, denn die Tiere schenken uns allen viele schöne Erlebnismomente - sie lassen uns innehalten, zur Ruhe kommen und sozial sinnvoll tätig werden.

Im Umgang mit den Tieren werden wir als ganzer Mensch angesprochen - alle Sinne werden beansprucht, geschult und gefördert. Einige Beispiele:

Die unteren Sinne

  • Der Tastsinn beim Streicheln der Tiere, beim Anfassen der Putzutensilien, des Futters und Mistes
  • Der Lebenssinn durch das Miterleben der wiederkehrenden Rhythmen in der Tierhaltung im Tagesablauf ( Bewegung und Ruhe, Fressen und Verdauen ) und im Jahreslauf ( Sommerfell und Winterfell, Weidegang und Stallzeit, das Bienenjahr )
  • Der Bewegungssinn bei allen Tätigkeiten in der Tierhaltung, Weidepflege, Stall- u. Gehegepflege
  • Der Gleichgewichtssinn ganz besonders beim Reiten, das unseren Kindergartenkindern vorbehalten ist, wo sich das Kind immer wieder neu nach der Bewegung des Tieres ausrichten muss, aber auch beim Führen der Tiere in unebenem Gelände oder beim Beladen und Schieben einer Karre mit Heu oder Mist.

Die mittleren Sinne

  • Der Geruchssinn durch die Wahrnehmung der charakteristischen Düfte und Gerüche der verschiedenen Tiere, auch ihrer Ausscheidungen, ihres Stalls und ihres Futters.
  • Der Geschmackssinn beim Probieren verschiedener Futterpflanzen. Einzelne Kinder möchten am liebsten auch den Mist und den Kompost probieren!
  • Der Sehsinn besonders in der Wahrnehmung der sehr differenzierten Ausdrucksfähigkeiten der Tiere. Wie stehen die Ohren? Wie ist ihre Haltung - entspannt oder angespannt? Die genaue Wahrnehmung der Tiere ist eine wesentliche Voraussetzung für ein angemessenes Verhalten ihnen gegenüber. Aber auch beim Aufspüren und Einsammeln der „Eseläppel“ zwischen Laub und Erde wird der Sehsinn geschult.
  • Der Wärmesinn umfassend, weil die Tierhaltung draußen stattfindet, bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit. Tierkörper spenden Wärme beim Streicheln, heißer Kräutertee zum Abschluss auch.

Die oberen Sinne

  • Der Hörsinn durch die Wahrnehmung der charakteristischen Tierlaute und Geräusche in der Natur. Hufe klingen unterschiedlich auf Asphalt, Gras oder Sand.
  • Der Sprachsinn bei der Ansprache der Tiere. Dies erfordert viel Übung, die Tiere reagieren nur auf eine deutliche und differenzierte Ansprache in Wort und Gebärde. Das rechte Wort zur rechten Zeit ist unerlässlich beim Locken, Treiben, Putzen oder Führen der Tiere.
  • Der Denksinn ganz besonders beim Führen der Tiere. Das Kind muss für das Tier mitdenken. Gerade beim Führen, wo das Kind neben dem Tier geht, muss es den Weg nicht nur für sich selbst, sondern für das Tier mit einplanen und es so durch das Gelände führen, dass es sich nicht verletzt. Auch ist es wichtig, die ständige Beobachtung ( Sehsinn ) richtig zu deuten und die Reaktion des Tieres voraus denkend in das eigene Handeln einzubeziehen - den Esel z.B. beruhigen, wenn er wegen eines unbekannten Geräusches den Kopf hebt, die Ohren nach der Herkunft des Geräusches ausrichtet und den ganzen Körper anspannt.
  • Der Ichsinn in der Wahrnehmung des Ich im Mitmenschen (hier im Umgang mit den unterschiedlichen Tierindividualitäten (auch wenn diese kein Ich haben)), beim Führen verschiedener Tiere in einer Karawane, wo sich die Menschen im sozialen Miteinander neben den Tieren in deren Rangfolge eingliedern, die richtigen Abstände einhalten und besonders auf sich achten.

Für die Kindergartenkinder steht bei der Tierhaltung im Vordergrund, dass sie die tätigen erwachsenen Menschen bzw. Schüler bei der Arbeit mit den Tieren erleben können. Menschen geben den Tieren Liebe und Fürsorge, Futter und ein Zuhause. Und die Tiere geben uns auch etwas: die Schafe schenken uns Wolle, die Esel tragen für uns Lasten und ziehen für uns Ackergeräte und Wagen. Die Bienen schenken uns Honig und Wachs. Esel, Schafe und Kaninchen liefern sie uns wertvollen Mist, der über die Kompostierung unseren gartenbaulich genutzten Flächen zugeführt wird. So erleben die Kinder im Kindergarten natürliche Kreisläufe der Natur und wachsen selbstverständlich in ein soziales Gefüge des Gebens und Nehmens hinein.

Darüber hinaus finden wöchentliche Spaziergänge mit den Eseln und Schafen über unser Gelände statt. Dabei dürfen sie auch mal auf den Eseln reiten und sich dabei richtig groß fühlen und alles überblicken. Gleichzeitig dürfen sie sich getragen fühlen von dem Tier und geborgen in der ganzen Gruppe, wodurch diese Spaziergänge von unschätzbarem Wert für die gesunde Entwicklung der Kinder sind.

Die Schulkinder helfen altersgerecht bei der täglichen Pflege wie Füttern, Putzen, Striegeln, Hufe auskratzen oder Abäppeln ( Einsammeln des Mistes ). Auch die Weidepflege, Heu machen, das Bauen und Reparieren der Ställe oder das Umsetzen der Zäune gehören selbstverständlich dazu. Dabei erwerben sie echte Handlungskompetenzen in der Tierhaltung.

Die Schulkinder lernen in der Tierpflege, verantwortlich zu handeln. Sie erleben den Jahreslauf sinnvoll tätig und übernehmen ungeliebte Pflichten, damit es den Tieren gut geht, auch wenn ihnen selber kalt ist, es regnet oder schneit. Für Quereinsteiger kann der Umgang mit den Tieren den Einstieg in die neue Klassengemeinschaft erleichtern, weil hier geübt wird, sich in die Gemeinschaft einzufühlen und die Tiere das eigene Verhalten unmittelbar reflektieren.

Die Tiere in ihren unterschiedlichen Wesenheiten ziehen oft gerade auch diejenigen Schüler an, die diese Eigenschaften deutlich zeigen. Beispielsweise fordert der eigensinnige störrische Esel vom Schüler, der an diesem Tag oder überhaupt auch störrisch ist, dass er zur Ruhe kommt und in Gelassenheit auf den Esel einwirkt, weil sonst im wahrsten Sinne nichts geht. Je mehr der Schüler zieht, desto störrischer wird der Esel.

Esel bleiben einfach stehen, wenn ihnen die Situation nicht behagt. Sie fordern ein sehr wohlwollendes Durchsetzungsvermögen von dem Kind, dass die Führung übernimmt. Die Kinder lernen hier auch Teamarbeit, weil sich Esel am besten zu zweit führen lassen (ein Kind geht neben dem Kopf des Esels und führt das Tier am Halfter, ein Kind geht hinterher und hilft im Bedarf).

Schafe wiederum lassen sich gar nicht führen. Sie bleiben im Umkreis der großen Tiere und ziehen mit der „Herde“. Sie mögen aber gelockt werden und lassen sich dann manchmal auch streicheln. Kaninchen schließlich lassen sich zwar streicheln, zeigen aber nicht so deutlich, ob es ihnen gefällt.

So helfen die Tiere den Kindern dabei, Einseitigkeiten zu überwinden und Tugenden wie Mut und Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln, indem die Tiere dies durch ihr Verhalten einfordern.
Sie lernen dabei auch die Eigenarten der Tiere kennen und deren Grenzen respektieren.

Für die Kinder der 3. Klasse wird die Bauern- und Handwerkerepoche durch die Tiere zu einem tiefen Erlebnis. In ihrer Feldbauepoche kommt dies besonders zum Tragen, wenn die Kinder idealer weise zunächst selber den Pflug ziehen und am eigenen Leib spüren, wie mühsam und anstrengend die Feldarbeit ist und wie viel Geschicklichkeit es erfordert, gerade Furchen zu ziehen. Dann können sie ehrfürchtig staunen, wie mühelos ein Pferd oder die Esel den Pflug ziehen und wie gut die Tiere dem Menschen gehorchen und ihre Arbeit verrichten.

Durch die Tiere wird auch der Beruf des Hufschmiedes ganz praktisch eingebunden. Die Kinder schauen interessiert zu und nehmen ein Stück ausgeschnittenen Hufes als Andenken mit. Wenn sie später selber die Hufe der Esel auskratzen, nehmen sie deutlich den Unterschied vor und nach der Arbeit des Hufschmiedes wahr und schätzen dessen Arbeit sehr.

Auch bei der Schafschur sind unsere 3.Klässler selber helfend tätig - vom behutsamen Einfangen der Schafe über das Halten und Beruhigen bis zum Schneiden der Wolle. Hierbei stellt sich wie selbstverständlich eine erstaunliche Ruhe unter den Kindern ein. Sie spüren hautnah, wie das Schaf ihrem Wohlwollen und ihrer Handfertigkeit ausgeliefert ist und geben sich die allergrößte Mühe, ihre Arbeit gut zu machen. Stolz nehmen sie am Ende die Wolle mit und Filzen daraus nützliche Dinge.

Wir freuen uns sehr darüber, die Tiere hier zu haben und bedanken uns an dieser Stelle bei allen Eltern, die an vielen Wochenenden und in Ferienzeiten die Versorgung der Tiere sichern.


© Eugen Kolisko Schule

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