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16. September 2000 |
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Gerne hätte ich die Grußworte hier persönlich gesprochen, muß aber heute an einem Treffen des Europäischen Dachverbandes der Waldorfschulen in Hannover teilnehmen. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg wünscht der frisch geborenen Eugen Kolisko Schule ein langes und reiches Leben. Keine Hürde konnte den Gründungsimpuls dieser Schulinitiative aufhalten. Mut zur Initiative und ein innovatives pädagogisches Konzept ist Signum dieser neuen Schule: auf der Grundlage der Pädagogik Rudolf Steiners soll - in enger Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus - das präventiv-medizinische Element besonders integriert werden. Wir hoffen, daß die Schule bald in den Kreis des Bundes der Waldorfschulen aufgenommen werden kann. Wir hoffen auch, daß das Land Berlin sich nicht 6 Jahre lang weigern wird, Kindergeld an dieses neue Kind der Schullandschaft zu zahlen. Denn Vielfalt in der Schullandschaft entspricht der Zivilgesellschaft, die das Denken in Hohheitskategorien der Staatsobrigkeit ablöst. Der Staat sollte sich nicht nur kräftige Konkurrenz gefallen lassen, er sollte sich darüber freuen. Das Bildungswesen wird nur dort genesen, wo die einzelne Schule einen Schulethos prägt, mit dem sich Eltern, Lehrer und Schüler identifizieren können. Und gerade hier sind Elternintiativen wie diejenige, die die Eugen Kolisko Schule auf die Beine gebracht hat, vorbildlich. Das Telefonmonopol ist in Deutschland gefallen. Jetzt kann man für dasselbe Geld immer mehr telefonieren. Undenkbar, wenn die Regulierungsbehörde für Telekommunikation von der Telekom betrieben würde. Genau das ist aber die Situation im Bildungswesen in Deutschland: der fast-Monopolist beim Betreiben von Schulen - das jeweilige Bundesland - führt gleichzeitig Aufsicht über die Konkurrenz und kann über finanzielle Zuschüsse an freie Träger entscheiden. "Privatschulen sollen allenfalls Orchideen bleiben": so äußerte sich kürzlich ein Schulsenator, der sich vor einer Abwanderung aus dem staatlichen Schulwesen fürchtet. Die Schullandschaft wird aber erst richtig erblühen, wenn alle allgemeinbildenden Schulen Chancengleichheit erhalten und unter denselben finanziellen Rahmenbedingungen arbeiten können, unabhängig von ihrer Trägerschaft. In Holland ist das schon seit 1917 der Fall, in Schweden seit über einem Jahrzehnt. Schweden hat Schulgeld verboten, finanziert dafür aber Schulen in freier Trägerschaft genau so wie die Schulen, die von der Regierung betrieben werden. Mögen die Reste preußischer Schulideologie des vorletzten Jahrhunderts auch in Deutschland weichen und die vielbeschworene Zivilgesellschaft Einzug in das Bildungswesen halten! Und möge die Eugen Kolisko Schule die Schullandschaft im Land Berlin nicht nur langfristig bereichern, sondern Innovation auch auch über die eigene Schule hinaus ausstrahlen. Detlef Hardorp
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