4 Nr.2     JUNI 2001 EUGEN KOLISKO SCHULZEITUNG 
SINNE und SELBSTERFAHRUNG
In unserer Zeit findet die Forschung Rudolf Steiners über die Natur der 12 menschlichen Sinne zunehmend Verbreitung und Anerkennung. Die Pflege der Sinne ist eine Zeitforderung und hat ganz besonders in den bildsamen Jahren der Kindheit ein deutliches Erziehungsprinzip zu sein.

Welches sind nun die 12 Sinne und was bedeuten sie in der Persönlichkeits-
bildung?

Hier seien sie zunächst aufgezählt: Tastsinn, Lebenssinn (vermittelt das Erleben der Körpervorgänge, wie Schmerz, Hunger, Behaglichkeit etc.), Eigenbewegungssinn, Gleichgewichtssinn. Diese vier Sinne sind auf das Erleben der eigenen Leibesorganisation gerichtet und besonders mit dem Willen des Menschen verbunden.

Dann haben wir Sinne für den Geruch, Geschmack, das Sehen und die Wärme bzw. Temperatur. Durch sie erleben wir die äußere Natur und werden in unserem Fühlen angesprochen.

Der Hörsinn, Wortsinn, Gedankensinn und Ich-Sinn haben besonders mit dem Denken zu tun und wir erleben den Mitmenschen als Geistträger.

Die "Gefühlssinne" nehmen die Polaritäten und ihren Ausgleich wahr (Licht-Finsternis; Kälte-Wärme ...) und verbinden uns mit der Welt im Gefühl.

Schließlich offenbart sich durch die "höheren Sinne" der Mitmensch. Der Ich-Sinn arbeitet mit allen anderen 11 Sinnen komplex zusammen und läßt uns das Wesen des Gegenüber erleben und erkennen.

Schwere Behinderungen für die Selbsterfahrung und Welterfahrung werden veranlagt, wenn die Sinne abgestumpft werden. Dann können Desinteresse und Lernstörungen entstehen und die Sinnesdefizite sind nicht zuletzt eine der wichtigsten Ursachen dafür, warum der Drogenkonsum in unserer Zeit so zunimmt, vermitteln doch die Drogen eine Erlebnisintensität, die das Ich nicht findet,wenn die Sinne fehlausgebildet sind.

Horst Hellmann
Die Selbsterfahrung der vier ersten Sinne, die auch "untere Sinne" heissen, sind: Vertrauen, Harmonie, Freiheitsgefühl und innere Ruhe. Diese persönlichkeitsbildenden Qualitäten leben in der Seele des Kindes auf, wenn die unteren Sinne sich betätigen und gesund ausbilden können.

Illustrationen aus : Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe 58/59, Herbst 1977 - Oben: Skizze aus einem Notizbuch Rudolf Steiners

Literatur: Willi Aeppli,
Sinnesorganismus, Sinnesverlust, Sinnesplege


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