Eugen Kolisko Schule

Pädagogisches Konzept Segeln
Klasse 3 – 12

(Fassung 15.02.05)

1. Das Segeln bietet vielfältige Möglichkeiten, Erlebnisse und Erfahrungen mit sich selbst und der Umwelt zu machen. Die für die Existenz so grundlegenden Elemente Wasser und Luft werden ganz anders erlebbar als beim Atmen und Trinken: Sie tragen mich und bringen mich ans Ziel. Die Kinder können lernen, sich den Elementen anzuvertrauen, sich ihren Bewegungen einzufügen und zugleich in ihnen ihren eigenen Weg zu finden.

2. In der dritten Klasse, nachdem die Kinder Schwimmen gelernt haben, sollte mit dem Segeln begonnen werden. Die Kinder haben jetzt erlebt , dass das Element Wasser sie trägt, wenn sie die richtigen Bewegungen machen. Jetzt können wir die Luft, den Wind als zweites Element hinzufügen. Dazu gehört auch die Erfahrung, dass ein Boot vom Wasser getragen wird. Der Wind kann nun genutzt werden, um das Boot fahren zu lassen. Die Kinder lernen, Beobachtungen von Wind, Welle und Segel zu deuten und in eigene Handlungen umzusetzen: Das Steuern des Bootes und die Einstellung des Segels. Nach einer Einführung durch die Lehrer und Trainer werden die Kinder nach und nach an alle Handgriffe und Manöver herangeführt, bis sie selbst ein Boot steuern können. Wir wollen jedem Kind die Erfahrung ermöglichen, dass Wasser und Wind, richtig eingeschätzt und behandelt, eine Hilfe sind, freundliche Elemente, in denen wir uns bewegen können. Die Körperkraft und der Gleichgewichtssinn können entwickelt und trainiert werden bis hin zum Einsatz des eigenen Gewichts zum Trimmen des Bootes. Naturerleben und die Einschätzung von Richtung und Distanz, auch anderer Boote, sind weitere wichtige Lernfelder.

3. In den Folgejahren können diese Erfahrungen vertieft werden. Auf der Jolle lernen die Kinder, zu zweit oder zu dritt zusammen zu wirken, sich dabei abzustimmen, gleichzeitig das richtige zu tun, die Verkehrsregeln zu beachten und sportliche Fairness walten zu lassen. Handwerkliches Geschick und sportliches Können werden im Umgang mit dem Boot weiterentwickelt, die Wahrnehmung der Natur und der Mitmenschen wird geübt. Diejenigen, die sich für den Segelsport begeistern, können tiefer einsteigen und am sportlichen Wettbewerb teilnehmen.

4. In der Mittelstufe können wir beginnen, die verschiedenen Aspekte des Segelns zu durchdringen: Himmels- und Wetterkunde, Mechanik, Strömungsphysik und erste Elemente der Navigation werden erarbeitet und in der Praxis erlebt und geprüft. Die Pflege und Reparatur der Boote, der sorgsame Umgang mit dem Material ebenso wie mit dem Mitmenschen wird konkret erschlossen.
Einen ersten Höhepunkt kann eine Klassenfahrt (ab 8. Klasse) auf einem entsprechend großen Schiff und auf See bilden. Jetzt geht es nicht nur darum, in einem sehr viel größeren Team seinen Platz einzunehmen und sich gleichzeitig einen Überblick über das gesamte Geschehen zu verschaffen, sondern es gilt außerdem, in der Gruppe das Leben an Bord zu organisieren und miteinander auszukommen (Einkaufen, Essen kochen, Abwasch, Kultur). Soziales Lernen in einer Gruppe von Menschen, die aufeinander angewiesen sind und sich nur begrenzt aus dem Weg gehen können, hat eine zunehmende Bedeutung. Auch die Beschäftigung mit Hierarchie spielt hier eine Rolle. Hier können außerdem die zentralen Elemente der Navigation eingeführt und erprobt werden.

5. In der Oberstufe können sowohl das Feldmessen wie die Astronomie mit den Methoden der konventionellen Navigation verknüpft und auf See angewendet werden: Die Grundelemente der terrestrischen Navigation sind Winkel- und Entfernungsmessung – dieselben, die üblicherweise in der 10. Klasse beim Feldmessen verwendet werden. Eine Seereise, in der diese Elemente geübt und vertieft werden, kann einen für den Mathematikunterricht gleichwertigen Ersatz für das Feldmesspraktikum bilden. Das soziale Lernen kann auf einem Schiff eine noch größere Intensität als bei einer „normalen“ Klassenfahrt haben. Schließlich kann die Astronomie in der Navigation mit Sonne und Gestirnen zur Standort- und Kursbestimmung eingesetzt werden. Die Pflege, Wartung und Reparatur der Boote kann (bereits mit der Mittelstufe beginnend) Teil des Werkunterrichts werden, auch der Neubau von Booten aus Massiv- oder Sperrholz ist möglich.

    15.2.05  P.B. Schmidt




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